Ärzte sollen mehr Placebos verschreiben

Entgegen des schlechten Rufs von Placebos verschreiben diese erstaunlich viele Ärzte. Prof. Dr. Robert Jütte, Autor einer neuen Studie der Bundesärztekammer, erklärte, dass jeder zweite Mediziner sich zu solchen Scheinmedikamenten und -therapien bekenne. Wenn es nach der Kammer geht, könnte das so weiter gehen. Denn sie empfiehlt, Placebos künftig häufiger und gezielter einzusetzen.

„Placebos wirken stärker und sehr viel komplexer als bisher angenommen. Ihr Einsatz ist von enormer Bedeutung für die ärztliche Praxis“, so Prof. Dr. Christoph Fuchs, Hauptgeschäftsführer der Bundesärztekammer (BÄK). „Mit dem Einsatz von Placebo lassen sich erwünschte Arzneimittelwirkungen maximieren, unerwünschte Wirkungen von Medikamenten verringern und Kosten im Gesundheitswesen sparen“, erklärte Jütte. Er stellte für die Bundesärztekammer die Expertise „Placebo in der Medizin“ vor. Jütte verwies dabei auf eine Umfrage unter Hausärzten im Bundesland Bayern. Dabei haben sich 88 Prozent der Mediziner zum Einsatz von Placebos bekannt. Der Medizin-Historiker erklärte, man könne davon ausgehen, dass „über 50 Prozent sie in der therapeutischen Praxis nutzen“. Studien zufolge helfen Pillen und Spritzen oft auch ohne geeigneten Wirkstoff . Dabei treten häufig keine schlimme Nebenwirkungen und exorbitante Kosten auf.

Unter den Begriff „Placebo“ versteht man wirkstofflose Scheinpräparate. Jedoch bedeute das Fehlen eines Wirkstoffs nicht, dass die Verabreichung keinen Effekt zur Folge habe. Bis heute sei es nicht hinreichend geklärt, wie ein Placebo genau funktioniert. Der günstige Effekt sei aber hirnphysiologisch und -anatomisch lokalisierbar, hieß es weiter.

Bild von weisserstier

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