Arzneimittelreport: Riskante Arznei wird zu leicht verschrieben

Einer Studie zufolge bekommen zahlreiche Alkoholiker, Demenzkranke und gesunde junge Frauen viele riskante Pillen verschrieben. Studienautor Gerd Glaeske kritisierte am Mittwoch in Berlin, dass in Heimen zu viele Altersverwirrte aufgrund der Personalnot ruhiggestellt werden.

„Wir haben ein großes Problem, was Arzneimittelsicherheit betrifft“, so der Pharmakritiker Forscher Glaeske. „Es ist nicht nur Verschwendung von Geld, sondern es ist auch eine Gefährdung von Patienten.“ Demnach missachteten Ärzte oft auch offizielle Empfehlungen und Warnungen. Der Arzneimittelreport der Krankenkasse Barmer GEK basiert auf Daten der rund neun Millionen Versicherten. Nach Angaben der Kasse ist die Studie repräsentativ.

Demnach erhalten Demenzkranke sechsmal häufiger Neuroleptika als Patienten ohne Altersverwirrtheit. Dies geschehe, obwohl die Beruhigungsmittel bei den Personen eine bis zu 1,7-fach erhöhte Sterblichkeitsrate verursacht. „Das Problem wird sich verschärfen“, so Glaeske weiter. Bei Menschen mit Pflegestufe drei bekämen der Studie zufolge die Hälfte der Demenzkranken diese Mittel – allerdings nur rund ein Drittel der anderen. „Hier gibt es leider Entwicklungen, die mit Menschenwürde nicht mehr in Verbindung zu bringen sind“, kritisierte Glaeske. Der Forscher bemängelte zudem, dass zwischen 13 und 14 Prozent der rund 1,6 Millionen Alkoholabhängigen Schlafmittel bekämen. „Das ist ein Kunstfehler, Abhängigen Benzodiazepin zu verordnen“, stellte Glaeske fest.

Des Weiteren bemängelte der Report, dass viele Frauen Antibabypillen der jüngsten Generation mit neuartigen Hormonen (Gestagene) bekämen. Das sei vor allem bei jungen Damen der Fall. Nach Angaben der Studie liegt das Risiko von Gefäßverschlüssen hier doppelt so hoch wie bei älteren Präparaten. Diese würden aber ebenso gut wirkten.

Bild von weisserstier

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